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Ralf Jourdan im Manager Magazin: Datenströme vernetzen – Potenziale nutzen

Manager Magazin Ralf Jourdan

Die Digitalisierung ist einer der Grundpfeiler der vierten industriellen Revolution. Hochentwickelte Informations- und Kommunikationstechnik wird die Grundlage einer der Zukunft angepassten Werterzeugung sein, die nicht nur Fertigungsprozesse revolutioniert, sondernauch Kunden und Lieferanten in die Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten umfänglich einbindet. Mit diesem gesamtheitlichen Verständnis können die Potenziale über die gesamte Wertschöpfungskette ausgeschöpft werden.

Traditionell aufgestellte Branchen stehen unter besonderem Veränderungsdruck. Hohe Kapitalbindungen in bestehenden Strukturen – so ist heute zu beobachten – sind Entwicklungshemmer in Bezug auf die digitale Veränderung. Verständlich, aber nicht zukunftsweisend! Ebenso wäre es fatal, den Fokus (weiterhin) nur auf die Produktion und die Produktionsprozesse zu legen. 

Es gilt, über den Tellerrand der klassischen Fabrik- und Produktionsoptimierung hinauszuschauen und auch Kunden, Lieferanten, Märkte und ein deutlich erweitertes Servicespektrum in die Vernetzung einzubinden.

Die Bedeutung digitaler Wertschöpfungsketten

Digitale Techniken und integrierte Planungssysteme erzeugen enorme Datenmengen, die in Echtzeit abgefangen und analysiert werden können. Für Unternehmen lassen sich daraus Kundendaten, Interaktionsdaten, Marketinginformationen, Finanz- und Rechnungsdaten sowie Stammdaten zu Produkten und Services gruppieren und auswerten. Die Integration von Big Data als Faktor in die unternehmensweite Wertschöpfungskette ist zweifelsohne ein Erfolgsfaktor der Zukunft. Wegweisend für eine gelungene Integration ist allerdings die Beachtung der Vision und Ziele des Unternehmens, um eine kongruente Big-Data-Strategie aufstellen zu können. Als Ergebnis können Abläufe optimiert und beispielsweise Unter- sowie Überbelastungen von Mensch und Maschine vermieden werden. Durch optimale Überwachung von Maschine und Produktionsplanung kann Präventivwartung ihrem Namen endlich gerecht werden. Voraussetzung ist eine durchgängig digitalisierte Wertschöpfungskette. Folglich stehen viele Unternehmen jetzt vor der Aufgabe, die notwendigen Transformationsprozesse für die Nutzung der Datenströme in technischer wie auch geschäftsprozessualer Hinsicht einzuleiten.

Digitalisierung = Individualisierung

Ein zentrales Thema der Digitalisierung in der produzierenden Industrie sind die Individualisierungsmöglichkeiten in der Fertigung mit Blick auf Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden. Durch die Vernetzung von Maschinen und Systemen lassen sich Produktionsläufe sowohl automatisieren als auch optimieren, sodass selbst kleine Losgrößen wirtschaftlich werden. Die wenigsten Unternehmen können bislang eine durchgehend digitale Wertschöpfungskette aufweisen. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen den Geschäftsprozessen und Kundenbeziehungen bestehen große Möglichkeiten zur Optimierung der vertikalen Wertschöpfungsketten und horizontalen Kooperationen. Selbiges gilt auch für die kaufmännischen Ablaufprozesse. Digitalisierung und die unter anderem dadurch entstehende Vernetzung aller Bereiche wird zu hochflexiblen Organisationsstrukturen und folglich zur Reduktion von Overheadkosten führen. Outsourcing- Möglichkeiten wie Cloud-Computing und Shared- Service-Center können die Wertschöpfungskette noch zusätzlich optimieren. Insgesamt lassen sich in personeller als auch finanzieller Hinsicht erhebliche Ressourcen einsparen. Das Ergebnis: frei gewordene Mittel für weitere Innovation und Expansion.

König Kunde gewinnt an Macht – das Geschäftsmodell 4.0

Die Art, wie wir wirtschaften, ist der Kern des Wandels. Nicht mehr Produkte und Produktion stehen im Fokus, vielmehr erwarten Kunden auf sie zugeschnittene, integrierte Lösungen, die neben den Produkten auch ergänzende Dienstleistungen umfassen. Digitalisierung bedeutet zudem Transparenz – auch für den Kunden. Das gilt nicht nur für den Preis. Gewinnen wird künftig das beste und passendste Leistungsangebot, das individuelle Kundenbedürfnisse am besten bedient. Für den produzierenden Mittelstand entstehen neue Möglichkeiten zur Expansion, Weiterentwicklung und Umsatzsteigerung. Das Grundprinzip des Geschäftsmodells ändert sich nicht, wohl aber die Perspektive, aus der alles betrachtet werden muss: Das Geschäftsmodell 4.0 setzt den Kunden mit seinen Bedürfnissen und Anforderungen in den Fokus. Im Zentrum stehen jetzt Erneuerungen zur Produktpalette, Aufstellung zukunftsgeeigneter Strukturen in den Prozessabläufen sowie Entwicklung von Service- und Dienstleistungsstrukturen, die auf den Kunden ausgerichtet sind. Um die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen und das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, braucht es daher vor allem eines: eine umsetzungsorientierte Strategie, die dem Kundenfokus Rechnung trägt.

Projektbeispiel - International aufgestellter  mittelständischer Werkzeughersteller

Ausgangslage: Der Vertrieb des Multi-Category-Anbieters erfolgte im Wesentlichen durch eigenen Außendienst. Ziel war es, Prozesse zu digitalisieren, um dadurch u.a. Wachstum zu generieren sowie eine höhere Kundendurchdringung und Marktnähe zu erreichen. Maßnahmen: Nach mehreren Strategieworkshops wurde entschieden, einen global stimmigen Onlineauftritt einzurichten.

Hierbei unterstützte die adjust AG, die Unternehmensprozesse zu restrukturieren, entwickelte eine neue E-Commerce-Strategie und etablierte spezialisierte Teams für Onlinevertrieb und Marketing. Ergebnisse und Mehrwert: Das Unternehmen konnte neue Geschäftspartner gewinnen und neue Märkte erschließen. Ein deutliches Umsatzwachstum wurde erzielt. Das umfassende und intuitive Shopkonzept, das die Growsolid Retail GmbH entwickelt und implementiert hatte, ermöglichte eine deutliche Differenzierung zum Wettbewerb, etwa durch flexible und rasche Bestellabläufe.

Optimierte Prozesse und Rationalisierungseffekte setzen Mittel frei für weitere Innovationen.

Diesen Beitrag finden Sie auch im Manager Magazin (Ausgabe: 11/2017)