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Ralf Jourdan zu Gast im Manager Magazin: Enorme Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle

„Der Mittelstand fühlt sich von der Digitalisierung bedroht“, „Deutschland verliert den Anschluss“:

Schlagzeilen wie diese sind häufig zu lesen im Zusammenhang mit Industrie 4.0, Big Data, Digitalisierung und Globalisierung. Ist dem wirklich so? Alles in allem bestehe kein Grund, in große Sorge zu geraten, analysiert RALF JOURDAN, Vorstand der adjust AG, im folgenden Beitrag.

Die Welt befindet sich auf der Stufe zur vierten industriellen Revolution. Auf Mechanisierung, Elektrifizierung und Informatisierung folgt der Einzug des Internets der Dinge und Dienste nicht nur in die
Fabriken. Die vierte industrielle Revolution steht für Industrie 4.0 und Big Data – Menschen, Maschinen, Produktionsmittel und Produkte kommunizieren in Echtzeit miteinander; Produktionstechnologien verschmelzen mit IT-Technologien, Daten und Datenmanagement werden wichtiger als die Hardware.

Die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, konnte nur entstehen, da wir via Internet die Möglichkeit hatten, schnell und global zu kommunizieren. Jeder kann heute überall seine Produkte, Dienstleistungen und Services anbieten, quasi unabhängig von Zeit und Ort. Dies wurde im Laufe der Jahre komplettiert durch sehr kostengünstige Möglichkeiten, Daten zu speichern und auszuwerten; Speicherplatz ist heute kein knappes Gut mehr. Das heißt aber auch: Digitalisierung, Globalisierung, Big Data und Industrie 4.0 sind keine alleinstehenden Begriffe, sondern eng miteinander verbunden. Das eine ist ohne das andere nicht möglich.

Klar ist: Wer Daten am effizientesten verarbeitet und vorausschauend nutzt, wird in der Lage sein, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und dem Kunden präzisere Angebote zu unterbreiten. Die damit verbundenen Innovationen schreiten mit immer größerer Geschwindigkeit voran und eröffnen die Möglichkeit, praktisch jeden Wunsch eines Konsumenten zu erfüllen. Produkte lassen sich individualisieren, und dies zum Preis eines Serienproduktes.

Mittelstand steht vor großer Restrukturierung

Ein Unternehmen wird das nur leisten können, wenn es Daten konsequent nutzt, managt, weiterentwickelt und einsetzt. Genau an diesem Punkt tauchen die Fragen auf, die künftige Geschäftsmodelle beeinflussen. Ganze Branchen, so wie wir sie heute kennen, werden aus den Angeln gehoben, bestehende Prozesse müssen hinterfragt und in vielen Fällen komplett neue aufgebaut werden.

Mit anderen Worten: Der Mittelstand steht vor einer großen Restrukturierungsaufgabe. Genau hier gilt es anzusetzen und Geschwindigkeit aufzunehmen. Zu oft werden die anstehenden Fragen durch eine aktuell gute Geschäftslage verdeckt. Doch wird uns die heutige Zeit lehren, dass Veränderungen schneller und von größerer Wirkung sind – und Unternehmen folglich näher am Markt und flexibler in der Ausrichtung sein müssen. Am Ende geht es nicht nur um die Technologie, sondern um die Tatsache, dass Menschen heute andere Erwartungen, Vorstellungen, Gewohnheiten und in Teilen auch Werte haben; dass sie in einem anderen Umfeld aufwachsen, und damit auch anders agieren. Der Einzug der Smartphones hat die Erwartungshaltung an Bedienerfreundlichkeit und Funktionalität in eine andere Dimension katapultiert, die es zu erfüllen gilt.

Es sollte ein umfassender Ausrichtungs- und Strategieprozess durchlaufen werden, um alle Fragen zu stellen, zu prüfen und aus heutiger Sicht mit vernünftigem Blick in die Zukunft zu beantworten.

Zu diesen Fragen gehört zum Beispiel:

Wer hat das Produkt erworben? Weshalb und wie ist die Zufriedenheit? Wo ist mein Wettbewerb? Ebenso gilt es, die Vertriebswege zu überdenken. Sind mehrstufige Modelle langfristig vor- und darstellbar? Wie kann eine zeitgemäße Kundenansprache erfolgen?

Big Data und Industrie 4.0 intelligent kombinieren

Eine Option ist dabei die Implementierung einer Big-Data-Strategie. Hierzu gilt es, betreffende Strukturen im Unternehmen zu analysieren und einen genauen Überblick zu möglichen Veränderungen zu schaffen. Dabei stellt sich die Frage, welche Daten für welchen Zweck im Unternehmen genutzt werden können. Hier bietet sich eine Big-Data-Potentialanalyse an. Mit ihrer Hilfe lassen sich die gesammelten Daten in Kundendaten, Interaktionsdaten, Marketing informationen, Finanz- und Rechnungsdaten sowie Stammdaten zu Produkten und Services clustern und auswerten. In einem weiteren Schritt gilt es diese nutzbar zu machen, miteinander zu verknüpfen und mögliche Szenarien zu erstellen. Für den deutschen Mittelstand ergeben sich daraus enorme Möglichkeiten für innovative, kundenspezifische und gewinnbringende Geschäftsmodelle.

Dabei stellt ein solches Vorgehen die Grundlage für das Funktionieren von Industrie 4.0 dar: Es gilt die Vorteile, die sich aus Big Data und Industrie 4.0 ergeben, intelligent zu kombinieren und in Bezug auf die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodell hin zu einem möglichen Geschäftsmodell 4.0 zu nutzen.

Grundsätzlich gilt es dabei in drei Richtungen zu denken:

  1. Sicherung und Ausbau der Marktposition
  2. Schaffung der notwendigen Voraussetzungen, um langfristiges Wachstum sicherzustellen
  3. Neue Märkte und Wege nutzbar gestalten.

Es stimmt natürlich: Strukturen anzupassen, stellt eine große Herausforderung dar. Doch bloße Kostenmaßnahmen lösen das Problem nicht und ein „weiter so“ wird der Zukunft nicht gerecht. Notwendig ist eine übergreifende Kommunikation sowie eine Anpassung des bisherigen Verständnisses, wie das Unternehmen funktioniert. Schlagworte wie Aufbau- und Ablauforganisation, Prozessoptimierung, Change Management, Steuerungs- und Kontrollmechanismen, Lean Management machen deutlich, worum es bei diesem Veränderungsprozess geht. Damit er gelingt, braucht es Umsetzungserfahrung, Engagement und Führungskompetenz und ein ausgeprägtes Verständnis verbunden mit der notwendigen Sensibilität für die Veränderungsmechanismen.

Gekoppelt mit einem aussagefähigen Reporting und einer verlässlichen Führung werden Unternehmen in der Lage sein, geplante Effizienz- und Kosteneffekte zu realisieren und die strategischen Anpassungen im Hinblick auf ein angepasstes Geschäftsmodell zu meistern. Ganz nebenbei werden hemmende Overheadstrukturen angepasst und das Unternehmen auf den Markt fokussiert.

Alles in allem also kein Grund, in große Sorge zu geraten. Es ergeben sich viele Chancen, da heute getrennte Businessmodelle zusammenwachsen und neue entstehen werden. Derartige Veränderungen können wir in Deutschland und gerade auch im Mittelstand erfolgreich managen – davon bin ich überzeugt. Allerdings ist es an der Zeit zu handeln.

Diesen Beitrag finden Sie auch im Manager Magazin (Ausgabe: 02/2017)